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Eric Wachholz: „Sägen an dem Ast, auf dem wir selber sitzen“


Events – gibt es die im Amateurfußball, speziell im Fußball des Hochsauerlandkreises eigentlich noch? Schaut man sich die Zuschauerzahlen an, dann kann davon wahrlich keine Rede sein. Nicht selten kommt es in der laufenden Saison sogar schon vor, dass sich die Zuschauerzahlen auf den heimischen Sportplätzen nicht nur im zweistelligen Bereich befinden, sondern wie beispielsweise bei der Bezirksligapartie FC Kirchhundem gegen VfL Bad Berleburg mit 15 Zuschauern einen Negativrekord aufstellen.

Diese Entwicklung ist für die Amateurvereine aber nicht neu. Ebenfalls keine neue Erkenntnis ist es, dass die Bundesliga den Amateurvereinen immer mehr das Wasser abgräbt. Neu ist aber, dass die Bundesliga in der Saison 2017|18 sogar fünf Spiele sonntags um 13:30 Uhr austragen wird. Bislang galt eben diese Anstoßzeit als Tabu, um die Amateurvereine zu schützen. Doch damit scheint jetzt langsam Schluss zu sein.

Eric Wachholz, Fußball-Abteilungsleiter des TuS Sundern, nahm diese Entwicklung zum Anlass, um im Vorwort der eigenen Vereinszeitung klarzustellen, wie es um die Amateurvereine bestellt ist. Zunächst begrüßte Eric Wachholz die Leser der Vereinszeitung zu den beiden Seniorenspielen des TuS, die am Sonntag, den 23. Oktober, gegen TuRa Freienohl (1:2) und den SuS Beckum (3:1) stattfanden, ehe der Zusatz „Aber wen interessiert das eigentlich noch?“ folgte. Lesen Sie in den nächsten Abschnitten das vollständige Vorwort von Eric Wachholz.

Ab 15:30 Uhr rollt der Ball bereits in der Bundesliga und ab der kommenden Saison sogar ab 13:30 Uhr – ist das die Antwort des DFB und der DFL auf immer weniger Spieler, Mannschaften, Vereine und Zuschauer im Amateurfußball? Aber anscheinend haben wir uns ja selber bereits entschieden: Immer mehr Amateurfußballer und Ehrenamtliche fahren lieber zum Spiel ihrer Lieblingsprofis und zahlen immer steigende Eintrittsgelder. Immer mehr Zuschauer sitzen sonntags lieber vor der Glotze und zahlen dabei gerne die horrenden Pay-TV-Gelder. Dabei darf das Fan-Trikot für 120 Euro natürlich nicht fehlen.

Die 100 Millionen-Ablösegrenze für einen Fußballer ist sicher nicht das Ende der Fahnenstange. Das älteste Gesetz der Wirtschaft tritt auch hier in Kraft: Angebot und Nachfrage! Wir erzeugen selber die Nachfrage und brauchen uns am Ende nicht über das überteuerte Angebot zu wundern. An allen Theken im Sauerland wird das Thema des „Salami-Spieltags“ heiß diskutiert, aber dabei bleibt es auch leider. Gehandelt wird überwiegend PRO-Bundesliga und CONTRA-Amateurfußball. Wir brauchen also nicht die alleinige Schuld beim DFB und der DFL zu suchen, sondern müssen uns selber hinterfragen, was wir eigentlich wollen!?

Fakt ist: Sollte sich weder an der Basis noch an der Spitze etwas ändern, wird der Amateurfußball ganz sicher Stück für Stück vor die Hunde gehen. Das Milliarden-Business „Bundesliga“ ist nicht einmal in der Lage, eine spürbare Entschädigung an die Basis zu zahlen. Die Mini-Soccer-Courts in Vorbereitung auf die vom DFB „günstig gekaufte“ WM 2006 war die letzte gute Investition in den Amateur- und Jugendfußball, der wirklich angekommen ist. Seitdem versucht jeder Amateurverein, finanziell mit Bratwurst und Spenden irgendwie die Nase über Wasser zu halten. Aber wie gesagt: Wen interessiert das noch?

Wir sind die Basis und eigentlich in der Masse stark, aber wir wehren und formieren uns nicht, sondern sägen fleißig an dem Ast, auf dem wir selber sitzen. Was übrigens inzwischen hervorragend von der Bundesliga bis zu den Minikickern funktioniert, ist das Scouting. Sobald ein Sechsjähriger nur etwas häufiger die Bude trifft, klingeln die Glocken bis nach ganz oben. Ab hier beginnt das „Heranzüchten“ unserer Musterprofis, die wir ja so lieben. In den Interviews dieser Klon-Kicker fehlen mir schon heute die knackigen Aussagen der Baslers, Völlers, Kahns und Poldis! Aber zurück zur Basis: Ich freue mich sehr, die heutigen Amateurspiele mit Euch gemeinsam genießen zu dürfen.

Mit sportlichen Grüßen
Eric Wachholz


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