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07. Juni 2014

Als der SV Dorlar/Sellinghausen das Triple holte

Als der SV Dorlar/Sellinghausen das Triple holte
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07. Juni 2014

Als der SV Dorlar/Sellinghausen das Triple holte

Als der SV Dorlar/Sellinghausen das Triple holte

Während der – durch das Coronavirus bedingten – fußballfreien Zeit wagt match-day.de jeden Dienstag einen Blick in die Vergangenheit und arbeitet legendäre Spiele im Hochsauerland noch einmal auf. Dieses Mal steht das Rückspiel der HSK-internen Aufstiegsrelegation zur Bezirksliga aus der Saison 2013|14 im Fokus, als der SV Dorlar/Sellinghausen eine 1:2-Hinspielniederlage gegen den TSV Bigge/Olsberg korrigierte, das bislang torreichste Relegationsspiel mit 7:3 nach Verlängerung gewann und sich damit am Ende einer famosen Saison das Triple holte.

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SV Dorlar/Sellinghausen I Zum Profil

Es war die Saison 2013|14, in der erstmals im Hochsauerland Relegationsspiele zwischen zwei Meistern ausgetragen werden mussten, um den Aufsteiger in die Bezirksliga zu bestimmen. Denn zum 01. Juli 2013 fusionierten die Altkreise Meschede und Brilon zum Fußballkreis Hochsauerland, hielten aber an der zweigleisigen A-Liga fest. Da der neu geschaffene Fußballkreis aber zunächst nur ein Team in Richtung Bezirksliga entsenden durfte, mussten am Ende einer langen Saison Relegationsspiele bestritten werden, in denen Freud und Leid nah beieinander liegen würden.

Somit waren der SV Dorlar/Sellinghausen, damaliger Meister der HSK-Kreisliga A West, und der TSV Bigge/Olsberg, damaliger Meister der HSK-Kreisliga A Ost, die ersten beiden Mannschaften im Fußballkreis Hochsauerland, die trotz gewonnener A-Liga-Meisterschaft nicht direkt den Sprung in die Bezirksliga schafften. Stattdessen mussten beide Teams in Hin- und Rückspiel die Klingen kreuzen, um im Notfall über Elfmeterschießen die Mannschaft zu bestimmen, die in der Saison 2014|15 in der „Bundesliga des Sauerlandes“ auf Punktejagd gehen würde.

TSV Bigge/Olsberg I Zum Profil

Nachdem der SV Dorlar/Sellinghausen zunächst souverän die Meisterschaft in der HSK-Kreisliga A West gewonnen hatte und am 29. Mai 2014 auch noch das Finale des HSK-Kreispokals gegen den Ligakonkurrenten TuS Valmetal mit 3:1 für sich entschied, bot sich den Blau-Weißen in der ersten HSK-internen Aufstiegsrelegation zur Bezirksliga die Gelegenheit, mit dem Aufstieg das Triple perfekt zu machen. Doch dieses Vorhaben erhielt zunächst einen herben Dämpfer, denn das Hinspiel am 04. Juni 2014 verlor die Mannschaft des damaligen Trainers Markus Hermes durch ein Tor von Kevin Dustin Schmitz aus der 87. Minute mit 1:2.

Da damals die Auswärtstore noch keinen besonderen Wert hatten, galt es für den SV Dorlar/Sellinghausen, das Rückspiel vor heimischer Kulisse zu gewinnen, um sich zumindest in die Verlängerung zu retten. Dem TSV Bigge/Olsberg genügte am 07. Juni 2014 auf dem Sportplatz in Dorlar derweil schon ein Unentschieden, um den Sprung in die Bezirksliga perfekt zu machen. Bei einer Niederlage mit mindestens zwei Toren Unterschied wäre dagegen der Traum vom Aufstieg geplatzt.

1.000 Zuschauer verfolgten die Partie in Dorlar. Foto: Rico Schulte

„Das Hinspiel in Olsberg hatten wir hochverdient verloren und konnten uns bei unserem Torwart Julian Rinke bedanken, dass wir nicht mit einer deutlich höheren Hypothek ins Rückspiel gegangen sind“, erinnert sich Dorlars damaliger Trainer Markus Hermes, der schon vor dem Saisonfinale entschieden hatte, das Traineramt beim SV Dorlar/Sellinghausen nach vier Jahren niederzulegen, nach der HSK-internen Aufstiegsrelegation zur Bezirksliga von Markus Grobbel abgelöst zu werden und zur Saison 2014|15 selbst in den Jugendbereich zu wechseln.

Durch das knappe Hinspielresultat waren die Chancen im Rückspiel für beide Mannschaften nahezu gleichgroß – und Spannung garantiert. Diese lockte am damaligen Pfingstsamstag trotz Temperaturen jenseits der 30 Grad-Marke rund 1.000 Zuschauer auf den Sportplatz in Dorlar, wo um 15:00 Uhr das Rückspiel von Schiedsrichterin Andrea Rath aus Finnentrop angepfiffen wurde.

Markus Hermes Zum Profil

Markus Hermes: „An dieses Spiel kann ich mich auch nach jetzt sechs Jahren immer noch sehr gut erinnern. Anders als im Hinspiel hatte ich mich damals dazu entschieden, mit einem 4-1-4-1-System gegen das 4-4-2 des TSV Bigge/Olsberg zu spielen, um vor allem die spielstarken zentralen Mittelfeldspieler Johannes Hoffmann und Marc Herkrath frühzeitig attackieren zu können. Ansonsten waren es in meinen Augen nur Kleinigkeiten, die wir im Vergleich zum Hinspiel verändern mussten.“

Zu diesen Kleinigkeiten gehörte auch die geringfügige Veränderung der Startformation, die sich an diesem Tag mehr als auszahlen sollte. Denn während zehn der elf Spieler, die bereits im Hinspiel für Dorlar/Sellinghausen aufgelaufen waren, wieder in der Anfangself standen, kam dieses Mal auch Stefan Schauerte von Beginn an zum Einsatz und ersetzte Michael Holterhoff, der zunächst auf der Bank Platz nahm. „Ich bin damals für einige Wochen verletzungsbedingt ausgefallen und konnte im Hinspiel nur gute dreißig Minuten lang mitwirken. Im Rückspiel sah das dann schon besser aus, sodass ich in Startelf stehen konnte“, blickt Stefan Schauerte zurück.

Stefan Schauerte Zum Profil

Somit operierte der SV Dorlar/Sellinghausen im Rückspiel offensiv mit seinem magischen Dreieck, das damals aus den Flügelläufern Stefan Schauerte und Sebastian Schauerte sowie Mittelstürmer Tobias Henneke bestand und schon in der HSK-Kreisliga A West beeindruckende Leistungen erbracht hatte. Tobias Henneke wurde damals mit 33 Saisontoren Torschützenkönig, gefolgt von Sebastian Schauerte mit 25 Treffern und Stefan Schauerte mit 15 Toren. Dorlars Offensiv-Trio erzielte damals also insgesamt 73 Saisontore in nur dreißig Ligaspielen.

Mit dieser geballten Offensiv-Power ging der SV Dorlar/Sellinghausen ins Rückspiel und überraschte den TSV Bigge/Olsberg zudem mit der taktischen Systemumstellung gegenüber dem Hinspiel. So war schon nach vier Minuten die Klasse des damaligen TSV-Torhüters Christian Busch gefragt, der nach einer Flanke von Sebastian Schauerte einen Kopfball von Jens Wiegand entschärfte. In der 21. Minute hatte Sebastian Schauerte dann die nächste Möglichkeit für die Hausherren, zielte aber aus zwanzig Metern knapp vorbei. Pech hatte Frederik Hellermann, dem eine Flanke in der 23. Minute verunglückte und vom langen Pfosten zurück ins Feld sprang. Und Sebastian Schauerte (30.) und Frederik Hellermann (35.) ließen auch die nächsten Chancen der Hausherren liegen.

Nikolai Sperling bejubelt den zwischenzeitlichen 3:2-Anschlusstreffer des TSV Bigge/Olsberg. Foto: Rico Schulte

Dorlar/Sellinghausen war drauf und dran, den Rückstand aus dem Hinspiel zu egalisieren, wurde aber kurz vor dem Pausenpfiff für seinen Chancenwucher bestraft. Nach einer Flanke ließ Dorlars Torhüter Julian Rinke den Ball nach vorne abklatschen. Esat Behrami bedankte sich und bediente Timo Stappert, der in der 44. Minute zur 1:0-Führung des TSV Bigge/Olsberg traf und damit zur Pause die Tür zur Bezirksliga für die Mannschaft des damaligen TSV-Trainers Dieter Möller noch weiter aufstieß.

„Wir waren in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft, ehe Bigge/Olsberg den Spielverlauf kurz vor der Pause auf den Kopf gestellt hat“, erinnert sich Markus Hermes, der mittlerweile Trainer des A-Ligisten SG Bödefeld/Henne-Rartal ist, und ergänzt: „Meine Hauptaufgabe in der Kabine bestand darin, der Mannschaft den Glauben zurückzugeben, dass wir das Spiel noch drehen können.“

Tobias Henneke Zum Profil

Und diese Halbzeitansprache fruchtete. Denn wer dachte, dass sich der SV Dorlar/Sellinghausen nach dem Seitenwechsel ergeben würde, der sah sich getäuscht. Nicht einmal drei Minuten waren im zweiten Durchgang absolviert, als ausgerechnet der in die Startelf zurückbeorderte Stefan Schauerte zum verdienten 1:1-Ausgleich traf (48.). Davon ließen sich die Gastgeber beflügeln, sodass die Partie nur wenige Augenblicke später eine dramatische Wendung nahm. In der 53. Minute traf Dorlars Torjäger Tobias Henneke erst zum 2:1, um direkt nach Wiederanstoß TSV-Keeper Christian Busch zu überlupfen und auf 3:1 zu stellen (54.).

Plötzlich war der SV Dorlar/Sellinghausen vorne, und Bigge/Olsberg hatte innerhalb von nur sechs Minuten die gute Ausgangsposition verspielt. Damit aber nicht genug, verlor der Meister der HSK-Kreisliga A Ost in dieser Phase auch noch Torhüter Christian Busch, der sich beim dritten Gegentreffer verletzte und fortan von Ersatzkeeper Marko Jedamzik ersetzt werden musste. Während der seinen Kasten in der Folge zunächst sauber hielt, schlug Nino Campos Pinheiro in der 58. Minute für die Gäste zurück und überraschte Dorlars Schlussmann Julian Rinke mit einer verunglückten Flanke, die sich schließlich im langen Eck zum 3:2 niedersenkte. Die Zeichen standen auf Verlängerung.

Dorlars Keeper Julian Rinke freut sich über die Führung seiner Mannschaft. Foto: Rico Schulte

Noch war aber über eine halbe Stunde in der regulären Spielzeit zu spielen, doch die Angreifer auf beiden Seiten wussten ihre Chancen nicht mehr zu nutzen. In der 69. Minute verpasste Dorlar/Sellinghausen erst das 4:2, während Bigges Nino Campos Pinheiro beim direkten Konter das Leder nur Millimeter am Pfosten vorbei setzte. Die wohl größte Möglichkeit auf den Ausgleich hatte der TSV Bigge/Olsberg schließlich in der 77. Minute, als der eingewechselte Kevin Dustin Schmitz nach einer Ecke plötzlich aus vier Metern zum Abschluss kam, doch Oguz Cavusoglu auf der Linie rettete. Der Nachschuss von Seyfettin Yavuz ging daraufhin nur knapp am Tor vorbei.

Damit ging es auch trotz siebenminütiger Nachspielzeit, in der Julian Rinke einen Schuss von Nino Campos Pinheiro aus dem Winkel fischte, in die Verlängerung, wo der SV Dorlar/Sellinghausen schließlich den Sieg einfahren sollte. In der 93. Minute fuhren die Gastgeber einen sehenswerten Konter, bei dem Sebastian Schauerte seinen mitgelaufenen Bruder Stefan Schauerte bediente und dieser für das 4:2 sorgte. Zwölf Zeigerumdrehungen später traf Tobias Henneke mit seinem dritten Treffer des Tages zum 5:2 und sorgte damit für die Vorentscheidung (105.).

Sebastian Schauerte Zum Profil

Bigge/Olsberg gab sich aber noch nicht auf und hatte unmittelbar nach Beginn der zweiten Halbzeit der Verlängerung durch Nikolai Sperling die Chance auf den dritten Treffer, doch Julian Rinke parierte großartig (106.). Vier Minuten später erzielte Kevin Dustin Schmitz dann aber das 5:3 und sorgte noch einmal für Spannung (110.). Im direkten Gegenzug machte Dorlar/Sellinghausen aber mit dem 6:3 durch Tobias Henneke alles klar (111.), ehe 180 Sekunden später Stefan Schauerte mit dem 7:3 die Aufstiegsparty in Dorlar beginnen ließ (114.).

„In der Verlängerung ist meine Mannschaft dann endgültig über sich hinaus gewachsen. Mit einer unglaublichen Willensleistung und Mentalität haben wir den TSV Bigge/Olsberg in der Verlängerung praktisch überrannt, sodass es diesem unglaublichen Ergebnis von 7:3 kam. Nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichterin Andrea Rath gab es natürlich kein Halten mehr“, weiß Markus Hermes. Auch Matchwinner Tobias Henneke erinnert sich noch gern an den 07. Juni 2014 und seinen Viererpack zurück: „Dieses Rückspiel ist für mich persönlich das Größte gewesen, da ich nie wieder so ein gutes Spiel absolviert habe. Es bleibt für immer eine positive Erinnerung, die uns niemand mehr nehmen kann.“

Das Triple-Team des SV Dorlar/Sellinghausen in der Saison 2013|14. Foto: Rico Schulte

Sebastian Schauerte erklärt rückblickend: „Das war ein Wahnsinnsspiel, an das ich mich immer wieder gerne erinnere und auch heute noch eine Gänsehaut bekomme. Was die Mannschaft an dem Tag bei den tropischen Temperaturen aus sich herausgeholt hat, war einfach phänomenal. Und auch all das, was nach dem Abpfiff passierte, war einfach nur klasse.“ Markus Hermes erklärt: „Ausschlaggebend für die damaligen Erfolge waren aus meiner Sicht die unglaubliche Mentalität und der wahnsinnige Ehrgeiz dieser Mannschaft. In jedem einzelnen Training wurde immer wieder Gas gegeben und sich gegenseitig angetrieben. Ein weiterer wichtiger Aspekt war sicherlich auch der Zusammenhalt und die mannschaftliche Geschlossenheit. Da sprang jeder für den anderen in die Bresche und dann kommt halt so etwas dabei heraus.“

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Spieldetails

HSK-Aufstiegsrelegation zur BL 2013|14 – 2. Spieltag
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